Naturschutzgruppe Witten - Biologische Station e.V.
                                          Naturschutz im mittleren Ruhrtal

Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia) -

Baum des Jahres 2020

von Birgit Ehses


Die Silvius-Wodarz-Stiftung hat die Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia) zum Baum des Jahres 2020 ernannt. Sie vergibt diese Auszeichnung jedes Jahr und will mit der Benennung der „Bäume des Jahres“ auf Probleme sowie ökologische Vor- und Nachteile von Baumarten hinweisen. 

 

Blühende Robinie

Da die Robinie ursprünglich nicht in Europa heimisch ist und zu den Neophyten (Neubürgern) zählt, war die Entscheidung unter Experten umstritten. Die invasive Baumart aus dem atlantischen Nordamerika gilt als eine Gefahr für natürliche Biotope, aber gleichzeitig im Zuge des Klimawandels als ein potentieller Hoffnungsträger.

Doch wie kam die Robinie nach Europa? Der königliche Hofgärtner und Botaniker Jean Robin war von der Schönheit der im               16. Jahrhundert nur in Nordamerika vorkommenden Baumart so angetan, dass er sie für die Gärten der französischen Königsresidenzen in Europa einführte. Zu Ehren Robins und wegen der Ähnlichkeit zur Echten Akazie erhielt der Baum später den Namen Robinia pseudoacacia. Er wird landläufig auch als „Falsche Akazie“ oder „Scheinakazie“ bezeichnet. Die Echte Akazie würde in unseren Breiten ohne Hilfe nicht überleben.

Seit rund 350 Jahren wächst die Robinie in Deutschland. 1670 pflanzte man sie bereits im Berliner Lustgarten an. Während die Baumart anfangs fast ausschließlich in Parks und Gärten gepflanzt wurde, verbreitete sie sich seit dem 18. Jahrhundert auch in Wäldern. Ihr Flächenanteil am deutschen Wald ist jedoch gering und liegt bei etwa 0,1 %. Die anspruchslosen und widerstandsfähigen Bäume sind häufig auf trockenen Standorten wie Bahndämmen oder Brachflächen verwildert anzutreffen. Als Pionierbaum besiedelte die Robinie nach dem Zweiten Weltkrieg viele Trümmerschuttflächen. Im Ruhrgebiet wurden die schnellwachsende Baumart zum Bepflanzen von Zechenhalden genutzt.

Robinienblüte

Wegen ihrer Toleranz gegenüber Trockenheit, Hitze, Salz und Immissionen wird die Robinie auch gerne im Stadtbereich gepflanzt und gilt als Favorit beim Klimawandel.

Die Gewöhnliche Robinie zählt zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) und ist verwandt mit Erbsen und Bohnen. Mit Hilfe von Knöllchenbakterien an den Wurzeln ist sie in der Lage, Stickstoff aus der Luft aufzunehmen und dem Boden zuzuführen. Besonders stickstoffarme Standorte kann die Robinie damit für andere Bäume bewohnbar machen. Andererseits kann diese Fähigkeit und der damit verbundene Düngeeffekt für ökologisch wertvolle und seltene Biotoptypen, wie Magerrasen oder Sandtrockenrasen problematisch sein und zu einer Veränderung der natürlichen Artenzusammensetzung führen. 

Die Robinie kann bis zu 25 Meter hoch und 100 bis 200 Jahre alt werden. An ihren langen Fiederblättern hängen bis zu 19 eiförmige, ganzrandige Einzelblättchen, immer jedoch eine ungerade Zahl. Sie besitzen kleine Gelenke mit denen sich bei großer Hitze senkrecht nach unten klappen können. Robinien lassen sich auch gut an ihren zu Dornen verwachsenen Nebenblättern erkennen. Die Borke ist grau bis braun und und bei älteren Bäumen von tiefen Rissen zerfurcht. Wegen ihrer weit ins Erdreich greifenden Wurzel wird die Robinie gerne als Bodenschutz angepflanzt. In sandigem Boden kann sie bis zu drei Meter tief wurzeln und gibt sich und ihrer Umgebung so festen Stand und Halt. In der Blütezeit von Mai bis Juni bezaubert die Robinie mit ihrer auffallenden Blütenpracht.

An 10 bis 25 Zentimeter langen traubigen Blütenständen hängen cremeweiße, duftende Schmetterlingsblüten. Sie erscheinen nach dem Austrieb der Blätter an den rötlichen Blütenstielen. Die Blüten bieten reichlich Nektar und sind eine beliebte und wichtige Bienen- und Insektenweide. Ihr Honig wird als „Akazienhonig“ verkauft und hat eine helle, schwachgelbliche Farbe.

Robinie mit Hülsenfrüchten

Im September reifen die Früchte der Robinie  aus. Die abgeflachten Hülsen sind rotbraun und können bis zu zehn Zentimeter lang werden. Jede Hülse besitzt vier bis zwölf, bis zu sieben Millimeter lange Samen, die in kleinen Einbuchtungen liegen. Die Früchte bleiben häufig bis zum nächsten Frühjahr am Baum hängen. 

Während die Blüten ungiftig und sogar essbar sind, enthalten die Samen als auch die Borke der Gewöhnlichen Robinie toxische Proteine und Glykoside. In der Borke sind die giftigen Inhaltsstoffe stärker konzentriert. Vergiftungen treten in der Regel jedoch seltener durch das Kauen der Borke als durch den Verzehr der Samen auf. Erste Symptome einer Vergiftung wie Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen und Durchfall  können schon nach der Aufnahme von 4 Samen auftreten. Die Robinie ist auch für Pferde, Hunde, Nager, Katzen und Vögel giftig.

Aufgrund des Nutzwertes ihres Holzes gehört die Robinie zu den weltweit am häufigsten angebauten Baumarten. Es ist widerstandsfähiger und dauerhafter als Eichenholz und kann sogar Tropenholz ersetzen. Da es im Außenbereich auch ohne chemische Konservierung lange stabil bleibt, ist es gut für Spielplatzgeräte, Pfähle für Weinstöcke und Gartenmöbel geeignet.

In Witten kann man eine Reihe alter Robinien entlang des Ruhrdeichs (gegenüber den Edelstahlwerken) sehen. Diese Bäume gelten sogar als geschützter Landschaftsbestandteil