Naturschutzgruppe Witten - Biologische Station e.V.
                                          Naturschutz im mittleren Ruhrtal

Die Dohle (Corvus monedula) - Vogel des Jahres 2012

(von Jörg Nowakowski)

Dohlen gehören zu den Krähenvögeln. Ihren Verbreitungsschwerpunkt hat die Dohle in Deutschland im Nordwestdeutschen Tiefland. So findet man im Münsterland überall große Trupps, die sich abends zu noch größeren Schlafgemeinschaften manchmal direkt in den Dörfern sammeln. In Witten ist die Dohle ein seltener Brutvogel. Durch die Lage am Rande des Mittelgebirges erreicht die Dohle als Flachlandvogel hier ihre natürliche Verbreitungsgrenze. Im Sauerland und Bergischen Land gibt es nur noch wenige Vorkommen.

Bei uns in Witten kann man Dohlen am besten im Wildschweingehege auf dem Hohenstein beobachten. Dort kann man sie auch mit den nur auf den ersten Blick ähnlichen Rabenkrähen vergleichen. Die Dohlen sind aber kleiner als die Krähen, haben einen grauen Kopf und auffallend gräulich weiße Augen. Auch die Rufe "kja kja" unterscheiden sich deutlich von dem "krra-krra-krra" der Rabenkrähen. Während die Krähen im gesamten Stadtgebiet brüten, findet man die Dohlen nur an wenigen Orten in der Innenstadt, in Stockum und am Hohenstein. Ungefähr 20 Brutpaare besiedeln das Stadtgebiet.

Die Dohlen brüten in Löchern an Gebäuden oder in Felsen. Berüchtigt sind auch die beliebten Kaminbruten der Dohle, wobei das Nest der Vögel den ganzen Kamin verstopfen kann. Andernorts brüten Dohlen auch in Baumhöhlen. Spezielle Nistkästen für Dohlen werden auch gerne angenommen.    
Nach dem Krieg war die Dohle noch häufig in Witten, da viele Ruinen gute Nistmöglichkeiten boten. Nachdem die Ruinen verschwunden waren, wurde auch die Dohle immer seltener. Erst in den letzten zehn Jahren stieg der Bestand langsam wieder an. So gibt es in 2012 erstmals Paare in Bommern.   

Heute sind es vor allem Dach- und Fassadenrenovierungen sowie Wärmedämmungsmaßnahmen, bei denen Löcher, größere Risse etc. an Gebäuden verschwinden und mit ihnen die Brutplätze der Dohlen. Nistkästen können hier einen Ersatz darstellen und zudem die Vögel vom Kamin fernhalten.   

Dohlenpaare leben in Dauerehe und sitzen häufig wie "verliebt" nah beieinander. Die 2 bis 7 Eier werden nur vom Weibchen bebrütet. Das Männchen füttert in dieser Zeit sein Weibchen. Dohlen sind Allesfresser, bevorzugt werden jedoch wirbellose Kleintiere.  
Im Winter erhalten unsere Dohlen Gesellschaft von Artgenossen aus Nord- und Osteuropa, die hier durchziehen oder überwintern. Da die Dohle in vielen Teilen Deutschlands als Brutvogel inzwischen völlig fehlt oder selten geworden ist, wurde sie zum Vogel des Jahres 2012 gewählt.