Naturschutzgruppe Witten - Biologische Station e.V.
                                          Naturschutz im mittleren Ruhrtal

Gebietsfremde Pflanzen - Neophyten in Witten


Allgemeines:
Viele Pflanzen, die wir heutzutage heimisch nennen, sind vom Menschen vor längerer Zeit, oder auch erst kürzlich nach Mitteleuropa gebracht worden und haben sich hier mehr oder weniger unkontrolliert ausgebreitet. Pflanzen, die erst in der Neuzeit, also etwa seit dem 16. Jahrhundert eingeführt wurden, nennt man "Neophyten". Einige dieser Neophyten sind inzwischen zu Problemarten geworden, weil sie sich sehr stark ausgebreitet haben, heimischen Arten den Lebensraum wegnehmen und Eindämmungsversuchen vielfach trotzen. Sie verändern die angestammte Vegetation, indem sie bestimmte Pflanzenarten überwuchern oder stark verdrängen.

In der Fachwelt ist es umstritten, ob man Neophyten ungehindert wachsen lassen oder sie bekämpfen soll. Dort wo sich aber Neophyten in Naturschutzgebieten ausbreiten und geschützte Pflanzen verdrängen, ist ihre Bekämpfung angezeigt. Schwierig ist es nur, geeignete und wirkungsvolle Bekämpfungsarten zu finden, ohne dass die schützenswerte Pflanzenwelt beeinträchtigt wird.


Neophyten im Raum Witten:
Größere Vorkommen von Neophyten findet man im Raum Witten vor allem entlang der Ruhr und ihren Zuflüssen. Auffällig sind der Riesen- oder Japanknöterich (Reynoutria japonica), der Riesenbärenklau, auch Herkulesstaude genannt (Heracleum mantegazzianum) und das Indische oder Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera).

Vorkommen des Riesenknöterichs findet man z.B. unterhalb des Wehres des Mühlengrabens an der Ruhrstraße, große Mengen von Riesenbärenklau u.a. entlang der Nachtigallstraße nahe der ehemaligen Zeche Theresia. Das Indische Springkraut hat sich an den Ruhrufern und in den meisten Wittener Bachtälern ausgebreitet, so auch im oberen Muttental. Dort gibt es aber auch noch größere Vorkommen von Echtem Mädesüß (Filipendula ulmaria), das sowohl von Springkraut als  auch von Adlerfarn (Pteridium aquilinum) überwuchert zu werden droht. Die Naturschutzgruppe Witten (NaWit) hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Mädesüßvorkommen samt der damit assoziierten z.T. gefährdeten Tierarten zu erhalten und Springkraut und Adlerfarn durch regelmäßige Mahd zu bekämpfen.   


Herkunft und Verbreitung:
Von der Gattung Impatiens gibt es auf der Welt ca. 450 Arten. In Deutschland kommen drei davon vor: das einheimische gelbblütige Waldspringkraut (Imp. noli-tangere) auch Rühr-mich-nicht-an genannt, das Kleinblütige Springkraut (Imp. parviflora), das in Ostsibirien und in der Mongolei heimisch ist, sich aber schon vor langer Zeit in Europa ohne größere Probleme eingebürgert hat, und das Indische Springkraut (Imp. glandulifera), das sich in Deutschland seit etwa 1900 ausbreitet. Seine Heimat ist der westliche Himalaja.  

Dort kommt es an Bachufern in einer Höhe von 1800 bis 3000 m vor. Nach Europa kam es als Zierpflanze, verwilderte aber schnell und besiedelte zunächst das obere Rheintal. Im Laufe der Zeit breitete es sich auch an der Ruhr und ihren Zuflüssen aus. Zu den Impatiensarten zählen aber auch einige unserer Garten- und Topfpflanzen. Beliebt ist die Gartenbalsamine (Imp. balsamina), die in Ostindien heimisch ist. Als Topfpflanze ist das Fleißige Lieschen (Imp. walleriana) seit einiger Zeit wieder bei uns in Mode gekommen. Sie stammt aus Afrika.  


Biologische Anmerkungen:
Der wichtigste Wachstumsfaktor für das Indische Springkraut ist das Wasser. Es kann nur dort gedeihen, wo ein ständiger Wassernachschub gewährleistet ist, also an Fluss - und Bachufern und sonstigen, besonders feuchten Stellen. Da eine direkte Sonnenstrahlung eine hohe Verdunstung bewirkt, liebt es den Halbschatten. Die Pflanze wird bis zu 2,50 m hoch. Der Stängel kann einen Durchmesser von bis zu 6 cm haben. An einigen Stellen des Stängels findet man Knoten, aus denen sich Seitentriebe entwickeln können. Beim Durchbrechen des Stängels tritt Saft aus, der etwas unangenehm riecht.   

Die Blätter sind wechselständig, lanzettförmig und an den Rändern grob gesägt. Im Durchschnitt sind sie 6-7 cm lang und 3-4 cm breit. Die Blüten bilden hängende Trauben mit in der Regel zwei bis fünf Blüten. Ihre Farbe schwankt zwischen weiß, blassrosa, leicht lila und kräftig rot. Das Kelchblatt ist hinten gespornt. Die Blütezeit beginnt Ende Juli - Anfang August und zieht sich über zwei bis drei Monate hin. Die Blüten liefern reichlich Nektar und Pollen. Deshalb werden sie von Hummeln und anderen Fluginsekten aufgesucht.

Wegen des späten Blühens sehen auch Imker das Indische Springkraut gern, zwar nicht für den Honigertrag - er ist von schlechter Qualität und nicht sehr schmackhaft - sondern wegen der Schließung einer Nahrungslücke im Spätsommer bzw. Frühherbst. Die Samen liegen in einer Fruchtkapsel. Ist sie reif, springt sie bei Berührung oder auch von allein auf und schleudert die Samen bis zu einige Meter weit aus. Nach der Samenbildung stirbt die Pflanze ab. Das Indische Springkraut ist eine einjährige Pflanze. Ihre Vermehrung geschieht ausschließlich über Samen. Eine Pflanze erzeugt bis zu 6000 Samenkörner, die nicht immer im folgenden Jahr, sondern oft erst später keimen. Somit kann sich im Boden ein großes Samenpotenzial bilden.


Bekämpfung:
Wegen ihres starken Wachstums kann das Indische Springkraut andere, geschützte Pflanzen gefährden. Als wirksame Gegenmaßnahme hat sich das Mähen und anschließende Abräumen des Mähgutes erwiesen. Letzteres bewirkt, dass der Boden mit der Zeit ausmagert und so eine Magerwiesenflora fördert. Die Wiesen im Muttental werden von der NaWit mit einem Balkenmäher gemäht. Die Uferzone am Bach wird mit einem Freischneider bearbeitet. Ziel ist es, die Bildung von Samen zu verhindern.

Ziel ist es, die Bildung von Samen zu verhindern. Entscheidend ist es deshalb, dass zum Mähen der richtige Zeitpunkt gewählt wird, nämlich zu Beginn der Blütezeit vor der Samenbildung. Mäht man aber zu früh, können neue Pflanzen nachkeimen oder kleine Pflanzen werden nicht erfasst. Nach dem Mähen wachsen sie dann umso besser. Werden die Pflanzen nicht abgemäht sondern nur umgeknickt, so regenerieren sie rasch. An den Stängelknoten bilden sich Wurzeln oder Triebe, die ein erneutes Anwachsen ermöglichen.

Selbst wenn in einem Jahr alle Springkräuter sorgfältig wurden und keine Samen geworfen haben, so ist die Bekämpfung damit nicht abgeschlossen. Man schätzt, dass die Samen noch nach fünf Jahren keimfähig sind. Also muss eine gemähte Fläche auch in den Folgejahren sorgfältig beobachtet und bei Bedarf erneut gemäht werden. Vereinzelt auftretende Pflanzen sollte man mit der Hand herausreißen und darauf achten, dass sie nicht wieder anwurzeln. Springkrautbestände, die geschützte Pflanzen nicht verdrängen, sollte man nicht beseitigen, sondern man sollte sich an der Schönheit ihrer Blüten erfreuen und bedenken, dass sie im Spätsommer vielen Insekten als Nahrungsspender dienen.


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