Naturschutzgruppe Witten - Biologische Station e.V.      
Naturschutz im mittleren Ruhrtal

Gefährdet aber nicht gefährlich - Schlangen in Witten


Die Angst vor Schlangen ist in der Bevölkerung immer noch tief verwurzelt und auch durch noch so viel Aufklärungsarbeit offensichtlich unausrottbar. Immer wieder kann man in der Zeitung - auch in Witten - lesen, dass verängstigte Bürger Feuerwehr oder Polizei alamieren. Das eingefangene Tier muß anschließend oft eine Odyssee über Tierhandlungen oder Zoos über sich ergehen lassen, bis es als harmlose einheimische Art erkannt und wieder - zumeist aber nicht in der Nähe des Fundortes - ausgesetzt wird.    

Wir möchten deshalb darauf hinweisen, dass alle einheimischen Schlangen nach dem Bundesartenschutzgesetz besonders geschützt sind und es nach Bundesnaturschutzgesetz bzw. Landschaftsgesetz NRW verboten ist "wildlebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen". Da Schlangen in Witten generell selten sind, ist die Biologische Station allerdings dringend an allen Meldungen zu Schlangenvorkommen interessiert.

In Witten kommen nur zwei ungiftige und für den Menschen völlig ungefährliche Schlangenarten vor: die Schlingnatter (Coronella austriaca) und die Ringelnatter (Natrix natrix). Bei der ebenfalls völlig harmlosen Blindschleiche (Anguis fragilis) (Bild rechts), die von vielen ebenfalls als Schlange angesprochen wird, handelt es sich um eine beinlose Echse.


Die Schlingnatter weist eine grau-braune Grundfärbung mit dunkleren Flecken auf. Sie ist in Witten extrem selten und tritt nur noch in einem eng umgrenzten Bereich - weitab von Häusern, Gärten und Spazierwegen - auf. Eine Begegnung mit dieser Art ist in Witten somit nahezu ausgeschlossen. Etwas häufiger ist die Ringelnatter. Sie ist an verschiedenen Stellen im Ruhrtal sowie vor allem in den größeren Bachtälern, z.B. am Pleßbach, Muttenbach, Elbschebach, Borbach oder im Enderbachtal, anzutreffen.

Die Ringelnatter weist eine mehr graue Grundfärbung mit schwarzer Fleckung auf. In Witten kann man auch häufig völlig schwarz gefärbte Exemplare beobachten. Sehr charakteristisch sind die beiden größeren gelben Flecken in der Nackenregion, die nur bei dieser Schlangenart auftreten. Geschlechtsreife Tiere besitzen eine Körperlänge von durchschnittlich 60-80 cm. Ringelnattern halten sich bevorzugt in der Nähe von Gewässern auf, da sie sich hauptsächlich von Fröschen ernähren. Die Ringelnatter kann sehr gut schwimmen und benötigt als wechselwarmes Reptil ungestörte Sonn- und Ruheplätze für die Thermoregulation.   

Für die Eiablage suchen die Weibchen im Zeitraum von etwa Mitte Juni bis Anfang August gerne Haufen aus abgestorbenen Pflanzen auf, in denen infolge der Gärungswärme relativ hohe Temperaturen herrschen. Deshalb werden auch häufig Kompost- und Dunghaufen oder alte Heumieten zur Eiablage genutzt, so dass die Tiere dann in der Nähe von Häusern und in Gärten auftauchen. Statt allerdings die Polizei zu alamieren, sollte man sich lieber über das Vorkommen einer so seltenen Art im eigenen Garten freuen und die Beobachtung der NaWit melden. Der Eiablageplatz sollte dann allerdings bis zum Schlupf der ca. 20 cm langen Jungschlangen (etwa 8-10 Wochen nach der Eiablage) möglichst in Ruhe gelassen werden. 

Die NaWit versucht durch die Anlage von Kleingewässern und die Pflege von Feuchtwiesen, z.B. im Mutten- und Elbschebachtal, den Lebensraum für die Ringelnatter zu erhalten und zu optimieren. Ohne eine regelmäßige Mahd würden die Feuchtwiesen verbuschen und damit zu schattig für die wärmeliebenden Reptilien werden.